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Der Uranmarkt. Warum die Kernkraft wieder boomt und der Rohstoff Uran eine Renaissance feiert.

Der anhaltende Krieg in Osteuropa zwischen der Ukraine und Russland hat die Diskussion um umweltschädliche, fossile Brennstoffe neu aufgerollt. Schon in den vergangenen Jahren fand im Rahmen von Fridays for Future mit Massenprotesten und Demonstrationen ein gesellschaftspolitischer Umbruch statt.

Die globale Erderwärmung ist eine der grundlegenden Ursachen für die Wiedergeburt der Kernkraft. Durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur der Atmosphäre und der Weltmeere wurde die Kritik an Treibhausgasemissionen immer größer. Der anthropogene (menschengemachte) Klimawandel hat seit Beginn der Industrialisierung einen immensen Aufschwung erfahren, sowohl Energie-, Land- und Forstwirtschaft als auch Industrie und der Verkehrssektor haben maßgeblich zur globalen Erderwärmung beigetragen. 

Im Zuge dessen hat die EU-Kommission unter EU-Kommissarin Mairead McGuinness ein Klimasiegel für Atomenergie und Gas beschlossen. Beides wurde in die sogenannte Taxonomie-Verordnung mit aufgenommen. 

Definition

Die Taxonomie-Verordnung, oder auch Erleichterung nachhaltiger Investitionen genannt (es handelt sich um keine amtliche Bezeichnungen), beschreibt einen Teil des 2019 von Ursula von der Leyen vorgestellten European Green Deal. Es handelt sich um eine EU-Verordnung, die unter anderem Vorgaben für nachhaltige Investitionen definiert. Ziel sei es, die Treibhausgase bis 2050 auf null zu reduzieren und Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Die Taxonomie-Verordnung wird unter anderem durch Finanzmarktteilnehmer wie z.B. Investmentfonds und private Investoren finanziert. Um das genannte Ziel in den nächsten 28 Jahren zu erreichen, seien laut Kommission jährliche Investitionen von 350 Milliarden Euro notwendig. 

Obwohl EU-Kommissarin McGuinness selbst einräumte, dass die Taxonomie-Rechtsverordnung “vielleicht nicht perfekt” sei, jedoch “eine echte Lösung” anbiete, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, erntete die zuständige Kommission massive Kritik: EU-Mitgliedsstaaten wie Spanien, Dänemark oder auch Schweden lehnten die Einstufung von Gas als nachhaltigen Energielieferanten ab, Deutschland hingegen sprach sich für Investitionen in den fossilen Brennstoff aus. 

Ukraine-Konflikt

Im Osten Europas tobt ein bitterer Krieg: Am 24. Februar haben russische Truppen im Zuge einer “militärischen Operation” die Ukraine überfallen. Wer dachte, Machthaber Wladimir Putin beschränke sich nur auf die Separatistengebiete Donezk und Lugansk, wurde eines besseren belehrt. 

Seit über 50 Jahren ist Russland nach den USA der größte Gasförderer weltweit. 2020 wurden knapp 638,5 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert, was einem weltweiten Anteil von 16,6 Prozent entspricht. Trotz zahlreicher Kriegssanktionen und Embargos hat Russland seit dem 24. Februar rund 93 Milliarden Euro mit Öl- und Gasexporten verdient. 61 Prozent der fossilen Exporte gingen an die EU. 

Die Abhängigkeit an die russische Föderation und die hohen Energiepreise in Deutschland haben ebenfalls zu einem Umdenken in der Energiegewinnung geführt. Die Stimmen nach Atomkraft werden nach und nach lauter. Obwohl Deutschland die Einstufung von Atomkraft als nachhaltig ablehnt, setzt sich Bündnispartner und EU-Nachbar Frankreich für die Taxonomie-Pläne ein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem “klaren Signal, das Greenwashing von Atomkraft und Gas zu stoppen”. Greenpeace erklärte, dass Abgeordnete sich geweigert hätten, “Putins Kriegsmaschine mit noch mehr Geld zu füttern”. 

Aufschwung und Höhenflug der Kernenergie

Im vergangenen Jahr verzeichnete der Preis für Uran einen Anstieg von knapp 50 Prozent. „Wir sehen, dass Länder auf der ganzen Welt beginnen, die Kernenergie zu akzeptieren. Diese Länder erkennen, dass die Kernenergie ein Teil der Gleichung sein muss, wenn sie eine kohlenstoffneutrale Zukunft erreichen wollen“, erklärt Jon Bey, Präsident und CEO von Standard Uranium. 

Kazatomprom (ISIN: US63253R2013 ; WKN: A2N9D5): Kazatomprom ist ein kasachisches Bergbauunternehmen mit Sitz in Nur-Sultan. Es fördert hauptsächlich radioaktive Metalle, 2019 allein 13.291 Tonnen Uran. Mit einem Anteil von 24 Prozent an der weltweiten Förderung ist Kazatomprom der größte Uranproduzent der Welt. 

Seit November 2018 können die Wertpapiere des Unternehmens an der Börse gehandelt werden. Herausgegeben wurden diese für 11 Euro pro Unternehmensanteil. Am 29. Oktober wurde das All-Time-High mit 36,60 Euro erzielt, ein prozentualer Anstieg von über 232 Prozent. Mit Beginn der weltweiten Rezession an den Märkten und des Ukraine-Konfliktes haben die Aktien um knapp 31,69 Prozent nachgelassen, dennoch ist die Nachfrage beträchtlich. 

Cameco Corp. (ISIN: CA13321L1085 ; WKN: 882017): Das kanadische Unternehmen mit Sitz in Saskatoon gehört ebenfalls zu den größten Uranproduzenten weltweit. 1988 gegründet, erfolgte im Juli 2000 der Börsengang mit einem Einstiegspreis von 2,13 Euro. Signifikante Hochs wurden 2007 und 2011 mit jeweils 38,31 Euro (ATH) und 30,39 Euro erzielt. Seit März 2020 haben sich die Wertpapiere von 6,60 Euro um knapp  224 Prozent auf 21,29 Euro erhöht. 

Uranpreis: In der Vergangenheit haben staatliche Akteure und Institutionen den kommerziellen Weltmarkt für Uran besonders geprägt. Besonders in Zeiten des Kalten Krieges stieg die Nachfrage im Zuge einer atomaren Aufrüstung. Gegenwärtig liegt der Preis pro Kilogramm bei circa 49,60 Euro. Seit 2017 ein Anstieg von fast 175 Prozent. 

Kritik und Fazit

Bei der Energiegewinnung in Kernreaktoren entstehen radioaktive Abfälle, die sachgemäß gelagert werden müssen. Uranabbau ohne hinreichende Umweltschutzvorkehrungen führt regelmäßig zu Umweltzerstörungen. Auch sind zahlreiche Arbeiter bei selbst strenger Strahlenschutzvorschriften einem erhöhten Strahlenrisiko ausgesetzt. Dennoch: Der Druck, besonders auf die europäischen Staaten, wächst. Einerseits sollen die Energieziele der Taxonomie-Verordnung erreicht werden, um die Treibhausemissionen zu reduzieren. Andererseits möchten die Ukraine-Bündnispartner auf russische fossile Brennstoffe verzichten, um Putins Krieg nicht mitzufinanzieren. Eine schmale Gratwanderung, die die Nachfrage nach atomarer Uranenergie erhöht.

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