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Risikofaktor Öl - EU-Sanktionen könnten die Energiepreise nach oben drücken

In weniger als zwei Wochen werden die EU-Sanktionen gegen Russlands Ölindustrie in Kraft treten.

Seit einigen Wochen gehen die Energiepreise sukzessiv zurück: Gründe dafür sind zum einen das importierte Flüssigerdgas aus beispielsweise den USA, andererseits haben sich die europäischen Gasspeicher, auch aufgrund des milden Klimas, gefüllt. Während man im August noch für eine Megawattstunde Gas knapp 280 Euro bezahlen musste, liegt der Preis in dieser Handelswoche bei 116 Euro, was immer noch dem siebenfachen Wert entspricht als vor der Gaskrise. Auch der fossile Brennstoff Öl verzeichnete einen Kostenrückgang: So kostete ein Fass der Rohöl-Nordseesorte Brent statt 115 Dollar wie im Sommer zuletzt nur noch 87 US-Dollar pro Fass. Die gesunkene Nachfrage durch Chinas Null-Covid-Strategie ist für den Preisrückgang mitverantwortlich.

Zwar lastet nun weniger Druck auf der Wirtschaft, allerdings könnte sich dies in naher Zukunft ändern. 

Öl-Embargo tritt in Kraft: Der Preisdeckel als Preistreiber? 

Die Europäische Union (EU) entschied, dass ab dem 5. Dezember kein russisches Rohöl mehr über See in die EU fließen darf. Zeitgleich wird ein Preisdeckel für russisches Öl eingeführt, gemeinsam mit den G7-Staaten. Anfang nächsten Jahres tritt dann eine dritte Maßnahme, eine Erweiterung des Embargos, ein. Es klingt widersprüchlich, jedoch erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass mit dem sechsten Sanktionspaket die Energiepreise wieder steigen könnten. Zwar darf über den Seeweg kein Öl mehr eingeliefert werden, allerdings laufen, aufgrund einzelner, zu großer Abhängigkeiten, Importe über Pipelines weiter. So werden Ungarn, Tschechien, die Slowakei oder auch Deutschland weiterhin durch die Pipeline “Druschba” versorgt, die vom Embargo ausgenommen sind.  

“Je nach Szenario sind lokale, temporäre Versorgungsengpässe und Preissteigerungen nicht auszuschließen, vergleichbar mit den Auswirkungen des Rheinniedrigwassers in Teilen Süddeutschlands in diesem Sommer”, teilte die Bundesregierung auf eine Anfrage von CDU/CSU  mit. So können Versorgungsengpässe zu Preissteigerungen führen. 

Beobachtern zufolge baut Russland gegenwärtig eine eigene “Schattenflotte” auf, um die Preisobergrenze zu umgehen. Auch mit dieser Maßnahme werden Russlands Öl-Exporte zurückgehen. Dennoch könnten so dem Weltmarkt ein bis zwei Millionen Barrel an Rohöl fehlen. “Es ist zu erwarten, dass sich fast alle europäischen Unternehmen von Geschäften abwenden werden, die nicht sanktionskonform sind”, sagte der Vitol-CEO der Financial Times.

Was sind die Aussichten? 

Es bleibt abzuwarten, wie Russlands Reaktion auf die Preisobergrenze sein wird. Der Preisdeckel, der entwickelt wurde, um Russland daran zu hindern, sein Öl teuer außerhalb der EU zu verkaufen, wird voraussichtlich zwischen 65 und 70 Dollar pro Barrel russisches Rohöl liegen.

Es bleibt eine Gratwanderung: Auf der einen Seite sollen die russischen Einnahmen, die den Ukrainekrieg finanzieren, durch fehlende Exporte reduziert werden. Auf der anderen Seite bleibt die Europäische Union abhängig vom fossilen Brennstoff. Sollte sich der Kreml dazu entscheiden, die kompletten Exporte zu unterbinden, droht ein unvorstellbarer Anstieg des Ölpreises. 

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