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Notenbanken im Goldrausch

Wer steckt hinter den Käufen?

Es erscheint wie ein Rätsel: Im dritten Quartal dieses Jahres haben Notenbanken rund 400 Tonnen Gold gekauft, von denen knapp drei Viertel, also 300 Tonnen, auf das Konto von Notenbanken gingen, die nicht oder lediglich unregelmäßig Auskunft über ihre Goldreserven geben, erklärte der World Gold Council (WGC). Nun kursieren Spekulationen darüber, wer diesen Handel getätigt haben könnte.

Die Volksrepublik China: 

Einige Spekulanten sahen in dem Exportweltmeister aus dem Jahr 2021 einen möglichen Käufer. Carsten Fritsch, Edelmetallanalyst der Commerzbank, erklärte jedoch, dass die chinesische Notenbank People’s Bank of China (PBoC) Daten zur Entwicklung der chinesischen Devisenreserven veröffentlicht hat. Zwar wurden die Goldreserven um 32 Tonnen auf 1780 Tonnen Gold erhöht, allerdings waren es die ersten Käufe seit 2019. „Damit dürfte die PBoC nicht mehr als möglicher Käufer der vom WGC für das dritte Quartal gemeldeten Zentralbankkäufe von 400 Tonnen infrage kommen“, schlussfolgert Fritsch.

Auch andere Goldexperten wie Adrian Ash vom Online-Goldanbieter Bullion Vault schließt China kategorisch aus. Den Grund dafür sieht der Experte in der Offenlegung des Goldankaufs.  Es „könnte ein Zeichen dafür sein, dass die PBoC die Welt wissen lassen oder glauben machen will, dass es sich bei dem mysteriösen Käufer nicht um China handelt“, so Ash. 

Durch die öffentliche Bekanntgabe seitens der Bank of China wird die Diskussion um die anonymen Transaktionen weiter befeuert. Ein weiterer möglicher Akteur ist Russland, die zuletzt vor Beginn des Ukrainekrieges Auskunft über ihre Goldreserven gegeben haben.

Gold als Geldreserve:

Im Gegensatz zur Volksrepublik China könnte Russland seine Ölgewinne nutzen, um die Goldreserven aufzustocken. Auch Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, hält diese Theorie für plausibel. Im Zuge des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sind die Preise für Öl und Gas in die Höhe geschossen. Allein für den September schätzt das Centre for Research on Energy and Clean Air die Einnahmen aus russischen Ölexporten auf 16,8 Milliarden Dollar. 

„Russland kann derzeit mit US-Dollar, Euro und Co. wenig anfangen und hat daher einen Anreiz, Verkaufserlöse in diesen Fremdwährungen möglichst schnell einzutauschen, zum Beispiel gegen chinesische Yuan, türkische Lira, indische Rupien oder aber physisches Gold“, erklärt Polleit. Es erscheint als äußerst wahrscheinlich, dass Russland „weiter und in verstärktem Maße Gold kauft“, führt der Chefvolkswirt weiter aus. 

Gold als Alternative zum US-Dollar:

Für Henrik Marx, Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus Precious Metals, ist es auch naheliegend, dass Russland unter den unbekannten Käufern ist. Laut dem Experten könnten jedoch auch andere Notenbanken und Institutionen hinter den anonymen Käufen stecken, um sich unabhängiger vom schwächelnden US-Dollar zu machen. Gold gilt als Krisenwährung und erfährt in prekären Zeiten oftmals eine hohe Nachfrage. 

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