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Wer profitiert von steigenden Zinsen?

Die Entscheidungen der US-Notenbanken beeinflussen die Entwicklung der Aktienmärkte. Eine Studie will nun historisch beweisen, welche Werte davon positiv beeinflusst werden.

Die Leitzinsbewegungen der US-Notenbank Fed geben derzeit die Richtung an den internationalen Aktienmärkten vor. Nach jeder Steigerung sind die Aktienkurse bisher gefallen. Tilmann Geller, von JP Morgan Asset Management, erklärt dies durch die zentrale Bedeutung des Leitzinses für die Wirtschaft, der den Preis des Geldes festlegt. Dadurch sind Zinserhöhungen mit großen Risiken verbunden. Zuletzt legte er eine Analyse vor, welche Aktien, historisch gesehen, von steigenden Zinsen profitieren. Dafür ist der Vergleich zu den zehnjährigen Staatsanleihen entscheidend, da diese als “Stellvertretervariable” für das BIP-Wachstum und die Inflationserwartung gelten. 

Laut Galler performten Aktien aus dem Energiesektor am besten. Die Korrelation zwischen Energiewerten im “MSCI All World Country Index” (ACWI) und der Rendite der zehnjährigen Anleihen beträgt 0,6, die Werte bewegen sich also tendenziell in die gleiche Richtung. Bei 1,0 wäre die Bewegung deckungsgleich, während sie bei minus 1,0 gegenläufig wäre. Dieser Zusammenhang bestätigt sich auch aktuell - während die Rendite der US-Staatsanleihen von 1,5 auf über 4 Prozent gestiegen ist, legte der MSCI ACWI Energy um 41% zu. 

Die Kurse von Energieunternehmen profitieren in diesem Jahr von dem Preisanstieg an den Märkten, die der Krieg in der Ukraine ausgelöst hat. Aber auch in den Jahren zuvor orientierten sich die Kurse an den Renditen. Diese gehen laut Galler mit einer steigenden Nachfrage, einer höheren Inflation und der Preissetzungsmacht von Energiekonzernen in Zeiten der Konjunktur einher. Laut der Bank of America ist der Einzelwert, der die höchste Korrelation zur Rendite der US-Staatsanleihen aufweist, der Ölkonzern Marathon Petroleum (WKN A1JEXK ; ISIN US56585A1025). Dessen Papiere befinden sich in diesem Jahr 77% im Plus. 

Für gewöhnlich bewegen sich auch die Aktien des Finanzsektors tendenziell mit den Renditen. Grundsätzlich liegt die Korrelation zwischen dem MSCI ACWI Financials und der Rendite der Anleihe bei 0,6. In diesem Jahr gab der Finanzsektor des ACWI aber um 18% nach. Grund ist die Abhängigkeit der US-Banken vom Investmentbanking-Geschäft, das dieses Jahr mit dem Markt gefallen ist. Auch ist die Gefahr von Kreditausfällen gewachsen. Im S&P 500 gab der Bankensektor um 19% nach. Im Vergleich blieben die Aktien von Versicherern stabiler. 

Auch Industrieunternehmen profitieren tendenziell von steigenden Zinsen, wenngleich mit einer Korrelation von 0,4 nicht sehr stark. In diesem Jahr hat der “MSCI ACWI Industrials” aber entgegen der Rendite 18% verloren. Der größte Wert, Union Pacific, hat über 20% verloren. Der Sektor ist aber von Value-Aktien geprägt, die langfristig Potenzial bieten. 

Value-Aktien waren in den letzten Jahren weniger gefragt, was sich laut Galler aber derzeit ändert. Dividendenstarke Unternehmen mit hohem Cashflow und niedrigen Schulden sind in Zeiten von Zinsen und Rezessionssorgen attraktiv. Vor allem in der Pharmabranche, der Branche für Konsumgüter und in der Telekommunikation sind derartige Value-Aktien zu finden. 

“Small-Caps” bieten mitunter exorbitante Renditen.

Andere Profiteure von steigenden Zinsen sind sogenannte Small-Caps, Unternehmen mit geringem Börsenwert und niedrigen Umsätzen. Oft handelt es sich dabei um spezialisierte Unternehmen, die in ihrer Branche den Markt anführen. Deswegen können sie steigende Preise an die Kunden weitergeben. Aus historischer Sicht weisen sie eine Korrelation zu den Renditen von 0,5 auf. 

Klare Verlierer von steigenden Zinsen sind Wachstumsaktien von Unternehmen, deren Umsätze schneller steigen als der Durchschnitt in ihrer Branche. Sie sind oft teurer als Value-Aktien, da Anleger meinen, dass sie in ihre Bewertung hineinwachsen. Findet dieses Wachstum nicht statt, fallen die Kurse aber schnell. Da diese Unternehmen aufgrund zukünftiger Gewinne bewertet werden, verändern sich diese Bewertungen bei steigenden Zinsen. Wachstumswerte leiden folglich unter steigenden Anleiherenditen und wachsen, wenn sie zurückgehen. Da die meisten dieser Unternehmen aus der Technologiebranche stammen, sind auch die Sektoren Kommunikationsdienste und IT negativ mit der Rendite verbunden, ebenfalls der Immobiliensektor. Durch steigende Zinsen tragen die Kosten für Hypotheken, weshalb Transaktionen am Markt seltener werden.

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