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Investitionen in China bleiben attraktiv

Deutsche Unternehmen engagieren sich weiter in China, obwohl die Risiken wachsen. Deutsche Wirtschaftsvertreter warnen und auch die Politik erwartet eine Neuausrichtung.

Die Investitionen deutscher Unternehmen in China ist in den ersten fünf Monaten des Jahres um 21% gestiegen - ungeachtet wachsender Risiken. Erst vor wenigen Tagen erteilte der Chemiekonzern BASF (WKN: BASF11 ; ISIN: DE000BASF111) die Freigabe für die Investitionen von zehn Milliarden EUR in den Bau eines Verbundstandorts im Süden Chinas. Der Autozulieferer Hella (WKN: A13SX2 ; ISIN: DE000A13SX22) will ein Lichtwerk in Changzhou nahe Schanghai bauen und auch Aldi will in China weiter expandieren. Immer öfter wird aber die zunehmende Abhängigkeit deutscher Unternehmen von der Volksrepublik kritisiert. BASF-Chef Martin Brudermüller weist aber darauf hin, dass China der am größten wachsende Chemiemarkt ist und bis 2030 die Hälfte des Weltmarktes ausmacht, weshalb Engagements vor Ort unerlässlich seien. 

Für viele Unternehmen ist das China-Geschäft, vor allem während Corona, zunehmend schwerer geworden, gleichzeitig führt der Krieg in der Ukraine Deutschland wirtschaftlich und sicherheitspolitisch näher an Chinas Gegner USA an, weis IfW-Handelsexperte Rolf Langhammer zu berichten. Chinas Unterstützung für Russland kann gleichzeitig die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland belasten, wenn sich der Handel in den transatlantischen Raum verlegt. Langhammer warnt auch vor Technologietransfers nach China, der die VR zunehmend Unabhängig werden lässt. 

Trotz dieser Gefahren halten deutsche Unternehmen das Risiko für kalkulierbar und machen im wesentlichen bisher kaum negative Erfahrungen. Die BASF ist das zweitgrößte ausländische Chemieunternehmen in China und will mit dem Verbundstandort diesen Vorteil ausbauen. Bis 2025 soll der Kern des Komplexes fertiggestellt sein. Der Standort in Zhanjiang soll nur mit erneuerbaren Energien betrieben werden und nur für China produzieren. Brudermüller spricht von einem einem profitablen Wachstum für die Unternehmensgruppe. Anders als Europa verloren die chinesischen und US-amerikanischen Chemiemärkte im vergangenen Jahr kein Handelsvolumen, was eine Expansion in diese Märkte attraktiv macht. Bisher stammen 40% der Gewinne von BASF aus Europa und nur 12% aus China. 

Andere Unternehmen haben sich noch nicht entschieden, ob sie nach China oder in die Vereinigten Staaten expandieren wollen. So auch der Kunststoffhersteller Covestro (WKN: 606214 ; ISIN: DE0006062144), der in eine milliardenschwere Hartschaum-Anlage investieren möchte. Vor allem in Hinblick auf die Möglichkeit nach China zu gehen wartet man aber auf Impulse aus Berlin, da die neue Regierung deutlich gemacht hat, dass ein Fortführen der Merkel-China-Politik nicht länger erstrebenswert ist. Zu Beginn des nächsten Jahres soll ein entsprechendes Chinapapier auf den Weg gebracht werden. Als ersten Schritt lehnte die Bundesregierung Investitionsgarantien für Volkswagen (WKN: 766403 ; ISIN: DE0007664039) ab, da der Autohersteller in der chinesischen Region Xinjiang aktiv ist, wo die muslimischen Uiguren nachweislich unterdrückt werden. Ob eine Neuausrichtung deutscher Politik Unternehmen beeinflusst ist fraglich, weshalb in Berlin und Brüssel wohl auch Investitionskontrollen debattiert werden. 

Bisher hat die Bundesregierung keine Handhabe über die Aktivitäten deutscher Unternehmen in China. Die USA sind in dieser Hinsicht aber rigoroser: US-Unternehmen müssen seit letzter Woche die Investitionen in kritische Sektoren in China melden, sodass der Präsident diese im Zweifel auch verbieten kann. Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China, mahnt zu einer differenzierten Debatte, da China nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Lieferant von Rohmaterialien, Seltenen Erden und Pharmavorprodukten für Europa wichtig ist. Trotz der zunehmend vorsichtigen Investitionen in China, ausgelöst durch die Unsicherheiten der chinesischen Null-Covid-Strategie, wollen deutsche Unternehmen China dennoch nicht den Rücken kehren. Das gelte vor allem für in China etablierte Unternehmen. Deutlich ist dies auch bei BMW (WKN: 519000 ; ISIN: DE0005190003), die mit einem neuen Werk in Kostenhöhe von zwei Milliarden Euro die bisher größte Investition in China getätigt haben. Das Unternehmen habe Vertrauen in den chinesischen Markt, sagt Jochen Goller, BMW-Chinachef.

Auch für den bisherigen VW-Chinachef Stephan Wöllenstein ist die Volksrepublik der “place to be”. Die Wolfsburger erwirtschaften rund 40% ihres Umsatzes auf dem chinesischen Markt. Mitte Juni hat das Unternehmen angekündigt das Chinageschäft unabhängiger aufzubauen und ein eigenes China-Board aufzuziehen. Dies gilt als Reaktion auf anhaltende geopolitische Verwerfungen und den rasanten technologischen Aufschwung in China. Gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern will VW in China bis Ende 2024 etwa 15 Milliarden Euro in die E-Mobilität investieren. Um mit China mitzuhalten, sei das Engagement mit Partnern vor Ort unerlässlich, erklärt Wöllstein. 

China ist der wichtigste Absatzmarkt für die deutschen Autobauer. 

Etwa ein Drittel der Fahrzeuge verkaufen die deutschen Topmarken Mercedes, BMW und VW im Land der aufgehenden Sonne. VW verkauft etwa 37 Prozent seiner Automobile in China, Mercedes und BMW etwa 30 Prozent. Nur im Luxus-Segment ist der Anteil noch höher: Fast 70 Prozent aller Maybachs gehen nach China. Im ersten Halbjahr brach der Absatz jedoch ein. Laut Berechnungen des CAR-Center Automotive Research verkauften die drei deutschen Marken in der Volksrepublik etwa ein Fünftel weniger Autos. Als Hauptgrund für diesen Rückgang wird vor allem der Corona-Lockdown in vielen Metropolen gesehen. Der Verband der deutschen Autobranche “VDA” geht davon aus, dass der chinesische Automarkt in diesem Jahr um etwa zwei Prozent sinken wird. 

Ein weiterer Grund für den Rückgang dürfte der Ausbau der Elektromobilität sein. Denn dort ist die Volksrepublik bestens aufgestellt. Mit über 300 chinesischen Modellen ist die Konkurrenz in China riesig. Der chinesische Autobauer BYD (“Build your Dreams”) hat im ersten Halbjahr mehr Elektroautos ausgeliefert als Mercedes, BMW und VW zusammen. Die Hauptvorteile der Chinesen dürfte hierbei sicherlich die besseren Software-Features sein. 

Kein Wunder also, dass IfW-Handelsexperte Langhammer davor warnt, dass der Wissensvorsprung in China dafür sorgen könnte, dass ausländische Unternehmen dort bald obsolet werden. Gerade der Krieg Russlands kann diese Entwicklung aber hemmen, wenn deutsche Unternehmen weniger auf China setzen, so Langhammer. 

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