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Atomkraft und Gas im Zeichen der Nachhaltigkeit?

EU-Kommission stuft die umstrittenen Energien als klimafreundlich ein | Uranpreis steigt um 50 Prozent an

Brüssel: Die EU-Kommission hat unter EU-Kommissarin Mairead McGuinness ein Klimasiegel für Atomenergie und Gas beschlossen, wodurch beides in die Taxonomie-Verordnung aufgenommen wird. Durch Milliardeninvestitionen in “grüne” Energie soll eine Klimaneutralität geschaffen werden.

Definition Taxonomie-Verordnung

Die Taxonomie-Verordnung, oder auch Erleichterung nachhaltiger Investitionen genannt (beides keine amtlichen Bezeichnungen), beschreibt eine EU-Verordnung, die unter anderem Vorgaben für nachhaltige Investitionen definiert. Sie ist Teil des 2019 von Ursula von der Leyen vorgestellten European Green Deal. Ziel ist es, die Treibhausgase bis 2050 auf null zu reduzieren und Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen. Die Taxonomie-Verordnung wird unter anderem durch Finanzmarktteilnehmer wie z.B. Investmentfonds und private Investoren finanziert. Um das genannte Ziel in den nächsten 28 Jahren zu erreichen, seien laut Kommission jährliche Investitionen von 350 Milliarden Euro notwendig.

Kritik

Obwohl EU-Kommissarin McGuinness selbst einräumte, dass die Taxonomie-Rechtsverordnung “vielleicht nicht perfekt” sei, jedoch “eine echte Lösung” anbiete, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, erntete die zuständige Kommission massive Kritik. Spanien, Dänemark, die Niederlande und Schweden lehnten die Einstufung von Gas als nachhaltigen Energielieferanten ab, Österreich und Luxemburg kündigten an, gegen die EU-Vorschrift vorzugehen. Deutschland spricht sich für Investitionen in Gas aus, um dieses als Brückentechnologie zu fördern. Änderungen über die Pläne scheinen unwahrscheinlich, im EU-Parlament bräuchte es eine Mehrheit oder ein Veto von mindestens 20 Mitgliedsstaaten, um die Taxonomie-Verordnung zu ändern. 

Aufschwung der Kernenergie

Im Jahr 2021 stieg der Preis für Uran um knapp 50 Prozent. „Wir sehen, dass Länder auf der ganzen Welt beginnen, die Kernenergie zu akzeptieren. Diese Länder erkennen, dass die Kernenergie ein Teil der Gleichung sein muss, wenn sie eine kohlenstoffneutrale Zukunft erreichen wollen“, erklärt Jon Bey, Präsident und CEO von Standard Uranium. Lange Zeit stagnierte der Preis für das radioaktive Element bei 34 USD. Durch massive Käufe des Unternehmens Sprott (ISIN: CA8520662088; WKN: A2P5HU) kletterte der Preis auf zwischenzeitlich 51 USD. Laut Bey sei die Nachfrage nach Uran größer als das Angebot. Beispielsweise sind derzeit in den USA 95 Kernreaktoren in Betrieb, in der Volksrepublik China sollen in den nächsten Jahren 150 Stück gebaut werden. 

Fazit

Der Uranpreis liegt momentan bei 46,00 USD und hat somit eine starke Korrektur hinter sich. Der Markt für das chemische Element ist relativ klein, die Volatilität umso größer. Interessenten und Aktionäre müssen sich auf schwankende Preise einstellen. Ob Kernkraft auf Dauer die nachhaltigste Form der Energiegewinnung ist, lässt sich hinterfragen.

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