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Finanzmärkte in Kriegserwartung

Welchen Einfluss ein Krieg in der Ukraine auf die Finanzmärkte hätte, wie wahrscheinlich Experten dieses Szenario einschätzen und wie Anleger auf den Ernstfall reagieren. Ein Überblick.

Laut den USA und Großbritannien ist in den kommenden Tagen mit einer Invasion der Ukraine durch Russland zu rechnen. Und auch die Finanzmärkte halten eine solche politische Eskalation für wahrscheinlich. Laut Matt Gertken, dem geopolitischen Strategen bei BCA Research, rechnet das Unternehmen mit der 50 bis 70 prozentigen Wahrscheinlichkeit einer russischen Intervention. 

Zwar wird sich weitestgehend um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht, doch haben Experten die Auswirkungen eines Krieges auf die Märkte bereits errechnet. Der Wert europäischer Aktien würde voraussichtlich um zehn Prozent sinken, der Gaspreis um bis zu ein Fünftel steigen und auch Öl der Marke Brent würde sich auf 100 Dollar pro Barrel verteuern. Aufgrund der Stabilität des Goldes sei deswegen eine Preissteigerung des Edelmetalls zu erwarten. Die Renditen für deutsche Bundesanleihen und US-Bonds könne um 0,2% gedrückt werden.  

Der angelsächsische Markt gibt sich in seinen Prognosen wesentlich pessimistischer, als europäische Investoren und Analysten. Die Eurasia Group aus New York rechnet trotz diplomatischer Bemühungen mit der 40-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer kriegerischen Eskalation. Laut Manfred Schlumberger von Starcapital rechnet der Markt hingegen mit der 20-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Invasion. Nach Hans-Werner Rapp, Vorstand und Investmentchef der Feri-Gruppe, käme eine Invasion für die Märkte einer Überraschung gleich. Er teilt indes die Einschätzung von BCA Research bezüglich der hohen Wahrscheinlichkeit einer Invasion. 

Seiner Einschätzung nach, würden europäische Aktien am stärksten getroffen. Es seien Indexabschläge von fünf bis zehn Prozent zu erwarten. Märkten nahe der Ukraine drohten sogar 10 bis 15 prozentige Verluste. Marcel Müller von HQ Trust hält einen DAX-Verlust von fünf Prozent für erwartbar. Eugen Keller, Stratege bei Metzler Capital Markets, hält einen Dax-Absturz von derzeit 15.500 Punkten auf 14.800 Punkten oder sogar noch tiefer für realistisch. 

Für Öl und Gas sei nach Rapp ein fünf- bis zehnprozentiges Preiswachstum zu erwarten, was sowohl die europäischen Energieprobleme, als auch die europäische Inflation weiter befeuern würde. Die Einstellung russischer Gaslieferungen könnte laut Schlumberger sogar zu einer Preissteigerung von 20% führen. Eine besondere Rolle spiele dabei die derzeitige Debatte um die Pipeline Nord Stream 2. Dieses Szenario ist aufgrund der deutschen Abhängigkeit von russischem Gas, das mehr als die Hälfte der deutschen Gas-Importe ausmacht, sehr wahrscheinlich, da dies eine politische Reaktion auf bereits angekündigte westliche Sanktionen, im Falle einer Invasion der Ukraine, bedeute.

Auf der Suche nach Sicherheiten ist zu erwarten, dass Anleger vermehrt in Gold investieren. Müller hält eine Preissteigerung um fünf Prozent für wahrscheinlich. Der Euro würde hingegen im Fall einer Invasion leiden und gegenüber dem Dollar auf das Niveau 1,11 fallen, so Schlumberger. Auch andere Währungen, wie der Schweizer Franke oder der japanische Yen, könnten profitieren. Deutsche Bundesanleihen könnten parallel zu US-Anleihen bis auf die Nulllinien fallen. 

Die Experten raten zu vorsichtigen Anlagen, betonen aber, dass der zu erwartende Börsenschock lediglich kurzfristig sein wird, wie ähnliche Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten.

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