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Deutsche Chemiebranche gerät unter Druck

Der Branchenverband VCI hat große Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemiebranche. Auch in dieser Sparte sind Rohstoffmangel und hohe Gaspreise ein großes Problem.

Die deutsche Chemiebranche fürchtet gegenüber der internationalen Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten. Grund dafür sind die hohen Rohstoffpreise, die schwer abschätzbare Gasversorgung sowie die Logistikprobleme im Bahnverkehr. 

Christian Kullmann, Präsident des Branchenverbandes VCI, warnte kürzlich davor, dass in Deutschland hohe Preise für Vorprodukte mit den höchsten Energiepreisen der Welt zusammenfallen. Eine Entspannung sei zunächst nicht abzusehen. Auch müsse man davon ausgehen, dass Gas in Deutschland langfristig teurer sei als woanders. Bereits heute ist Gas in der Bundesrepublik sechsmal teurer als in den USA. In dieser Gemengelage habe Deutschland ein zunehmendes Wettbewerbsproblem. Kullmann rechnet mittelfristig mit einem Energiepreisniveau, dass etwa doppelt so hoch wie vor der Krise ist. 

Die Geschäftszahlen in der Branche scheinen bisher noch gut zu sein. Laut VCI konnte die deutsche Chemieindustrie ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 22% auf 130 Milliarden EUR steigern. Dieses Wachstum geht jedoch auf Preissteigerungen zurück, mit denen die Unternehmen ihre höheren Kosten an die Kunden weitergegeben haben. 

Im zweiten Halbjahr sei, wegen der steigenden Rohstoffpreise und Energiekosten sowie der nachlassenden Konjunktur, eine deutlich schwierigere Entwicklung zu erwarten, worauf bereits deutliche Kursverluste börsennotierter Unternehmen hindeuten. Die Aktie von BASF (WKN: BASF11 ; ISIN: DE000BASF111) hat seit März rund 23% eingebüßt und Covestro (WKN: 606214 ; ISIN: DE0006062144) nahezu 30%. Besonders mittelständische Unternehmen haben laut VCI zu kämpfen. Etwa ein fünftel dieser Unternehmen müssten bisher mit Rohstoffpreisen kämpfen, die um mehr als 50% angestiegen sind. Es sei mittlerweile auch schwieriger, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Etwa 70% der Unternehmen verzeichnen einen Gewinnrückgang und einige befinden sich sogar in der Verlustzone. 

Deutlich wird die anstehende schwierige Phase auch im derzeitigen Rückgang der Produktionsmenge. Schon jetzt liegt die Produktionsmenge der Chemieunternehmen (ohne das Pharmageschäft) bei drei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bei Fein- und Spezialchemikalien sank das Volumen um rund neun Prozent. Für das Gesamtjahr geht der VCI von einem Produktionsrückgang um 1,5% aus. In dieser Rechnung ist jedoch eine ausreichende Energie- und Rohstoffversorgung vorausgesetzt. Wenn es zu Ausfällen kommt ist die Branche voraussichtlich gezwungen, die Produktion herunterzufahren. 

Gemeinsam mit der Bundesnetzagentur entwickele man bereits Pläne, so Kullmann, wie man mit einem Ausfall russischer Gaslieferungen umgehen könne. Seitens der Industrie herrscht eine große Sorge vor solchen Ausfällen. 

Regionale Unterschiede spielen bei diesen Überlegungen eine große Rolle. Sollte es zu Liefereinstellungen kommen, würden die Unternehmen im Süden und Südosten als erste einbrechen, da diese Regionen stark von österreichischen Gasspeichern abhängig seien. 

Die Chemiebranche ist der größte Gasverbraucher des Landes und verbraucht rund 133 Terawattstunden/ Twh) Gas pro Jahr. Ein Drittel wird als Rohstoff genutzt, während der Rest für Strom- und Dampferzeugung verwendet wird. 

Der größte Einzelverbraucher des Landes ist die BASF, deren Hauptwerk in Ludwigshafen jährlich 37 Twh verbraucht. Das Unternehmen hat schon bekanntgegeben, dass es die Produktion würde einstellen müssen, wenn die Gasversorgung auf weniger als 50% des maximalen Gasbedarfes absinkt. 

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