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Volkswagen AG
WKN 766403

Oliver Blume - Der neue Mann an der Spitze von VW

Welche Ziele der neue VW-Chef verfolgt, welche Probleme er von seinem Vorgänger übernimmt und warum er jetzt schon ein Politikum ist.

Nach einer Aufsichtsratssitzung am Freitag kündigte Volkswagen (VW) in einer Mitteilung an, dass der langjährige Vorstandsvorsitzende Herbert Diess seinen Posten freiwillig zum 1. September, noch vor Ablauf  seines Vertrages 2025, räume. In der Mitteilung ist von einer “einvernehmlichen” Trennung die Rede - Insidern zufolge handelt es sich bei der Trennung von Diess aber viel eher um einen Rauswurf: Dem Wolfsburger Automobilkonzern sind dessen Alleingänge und mangelnde Teamfähigkeit letztlich zu viel geworden. Diess bleibt zwar weiter im Aufsichtsrat, der Konzern erhofft sich durch den Personalwechsel an der Spitze aber eine neue Arbeitskultur und den Neustart, den es braucht, um derzeitige Probleme zu lösen und vielversprechende Projekte in die Zukunft zu tragen. Mit dem Porsche-Chef Oliver Blume scheint der Mann gefunden zu sein, der die Wolfsburger wieder auf Kurs bringt. 

Blume ist damit in Personalunion Volkswagen- und Porsche-Chef. Damit ihm diese beiden Aufgaben nicht über den Kopf wachsen, stellt ihm der Konzern einen Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft zur Seite. Dieser Posten soll vom bisherigen Finanzvorstand Arno Antlitz besetzt werden. Derzeit ist Blume bei Porsche für das Produktionsressort zuständig, wird diese Position aber abgeben. Mittelfristig sind aber noch weitere Personalentscheidungen zu treffen. Ein Aufsichtsrat ließ durchblicken, dass der Vorstand mit elf Leuten zu hoch besetzt ist, weshalb dieser in Zukunft, durch das Zusammenlegen einiger Bereiche, verkleinert werden könnte. Und auch eine andere Leerstelle, die des Aufsichtsratsvorsitzenden der Software-Tochter Cariad, muss nach Diess Weggang neu besetzt werden. Gerade dieser Bereich bot inder Vergangenheit immer wieder Anlass zur Sorge und bildete damit einen großen Streitpunkt. 

Software Ausrichtung als größte Baustelle

Cariad entwickelt die Software für VW und die Tochterfirmen. Problematisch ist, dass das Unternehmen dabei noch auf Jahre zweigleisig arbeiten muss, nämlich mit einer Software für Volkswagen und einer für Audi und Porsche. Zwischen diesen Softwares existieren aber kaum Synergien, was nach Ansicht von Experten nicht zu vermitteln sei. Die Parallele Entwicklung von E1.2 und E2.0, wie die Softwares heißen, bindet sehr große Ressourcen. So kosten allein die parallelen Fahrerassistenzfunktionen von VW und Audi eine halbe Milliarde EUR zusätzlich. Bernstein-Analyst Daniel Röska kommentiert, dass Blume die Cariad-Prozesse zukünftig entschlacken muss um die Software-Probleme in den Griff zu bekommen. DIe Auflösung von Cariad steht indes nicht im Raum. Blume gilt als Unterstützer der Vision von Diess eine hauseigene Software zu besitzen. Fraglich ist aber, ob Blume die Entwicklung von E2.0 einstellt oder ob er E1.2 zukünftig mithilfe externer Tech-Firmen weiterentwickelt. Stefan Bratzel, Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, spekuliert, ob Diess nicht sogar über sein Unvermögen diese Probleme zu lösen gestolpert sein könnte. Die Themen Vernetzung und Digitalisierung werden vor allem angesichts der neuesten Entwicklungen im Bezug auf autonomes Fahren relevant. Volkswagen hängt in dieser Sparte der Konkurrenz von Tesla aber deutlich hinterher. Auch dies wird mit der zentralistischen Organisationsstruktur von Diess in Verbindung gebracht.

Umstieg auf E-Mobilität

Was Blume aber von Diess übernehmen will, ist dessen Engagement im Ausbau nachhaltiger Mobilität. Schon bei Porsche hat er für Bemühungen in diese Richtung Milliarden investiert und den Dieselantrieb verbannt. Bis 2030 will Porsche 80% seiner Modelle als E-Autos verkaufen. Das Modell Taycan von 2019 ist der erste Schritt hin zu diesem Ziel.

Probleme mit der Software haben aber Volkswagen Kunden bei den Elektroautos enttäuscht. Deutlich ist dies nicht nur in Europa, sondern umso stärker in China, wo die Software die Kunden kaum überzeugen konnte. China ist der wichtigste Kunde für VW und ausgerechnet dort könnten Newcomer wie Nio, Xpeng oder etablierte Marken wie BYD mit leistungsstärkeren Softwares zur ernsthaften Bedrohung für die Wolfsburger werden. Ab dem 1. September wird der bisherige VW-Markenchef Ralf Brandstätter für das China-Geschäft verantwortlich sein. 

Einfluss auf Börsenkurse

Die neuerlichen Personaländerungen haben sich auch in den Börsenkursen von VW widergespiegelt. Die Anleger geben sich zunächst verunsichert. Die Volkswagen-Aktie (WKN: 766403 ; ISIN: DE0007664039) und die Porsche-SE Aktie (WKN: PAH003 ; ISIN: DE000PAH0038) verloren kurzfristig 3,2 beziehungsweise 2,5 Prozent. So besteht auch die Sorge, dass der für das vierte Quartal geplante Börsengang von Porsche unter dem neuen Management leiden könnte. Vor allem der Einsatz von Diess für die Wende zur E-Mobilität hat Anlegern imponiert, ein Vertrauensvorschuss, den Blume noch einholen muss. 

Blume im politischen Rampenlicht

Dessen Übernahme von VW wird nun überraschenderweise von einem Politikum überschattet: Der Vorwurf steht im Raum, dass Blume über seine Kontakte zum heutigen Finanzminister Christian Lindner Einfluss auf die Entstehung des Ampel-Koalitionsvertrages genommen habe. Blume selbst soll auf einer internen Firmenveranstaltung damit geprahlt haben, so heißt es in Berichten des ZDF-Satire-Formats Die Anstalt. Bei einer Betriebsversammlung am 29. Juni soll dieser gegenüber Mitarbeitern gesagt haben, dass Porsche mitverantwortlich sei, dass eine weitere Nutzung von synthetisch hergestellten E-Fuels für Verbrennungsmotoren in den Vertrag aufgenommen worden sei. “Da sind wir Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt an die Koalitionsparteien. Der Christian Lindner hat mich in den letzten Tagen fast stündlich auf dem Laufenden gehalten”, zitierte das ZDF Blume.

Dieser entschuldigte sich für die Wortwahl, während ein Sprecher der FDP etwaige Kontakte zwischen Lindner und Blume dementierte und auch ein Porsche-Sprecher bestritt einen Austausch zwischen den beiden. Die Linkspartei und Lobby-Control warnen bei derartigen Verstrickungen zwischen Regierung und Unternehmen von einer Aushölung der Demokratie. Im Internet sind zwischendurch sogar Rücktrittsforderungen laut geworden. 

E-Fuels sind an und für sich auch ein Kritikpunkt. Es handelt sich dabei um chemisch hergestellte Treibstoffe für Benzin- oder Dieselmotoren. Aufgrund hoher Kosten und eines hohen Energieverbrauches gelten E-Fuels bei Experten und Umweltschützern nicht als sinnvolle Alternative zur Elektromobilität.

Nun ist im Koalitionsvertrag das Festhalten an den E-Fuels beschlossen. Porsche ist schon lange mit der Entwicklung von E-Fuels beschäftigt. Im Herbst fiel der Startschuss für eine Produktionsanlage in Chile. 

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