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Allianz
WKN 840400

Die ökonomische Situation deutscher Lebensversicherer

Eine neue Studie betrachtet, wie deutsche Lebensversicherer hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen Verfassung und ihrer Verbraucherleistung aufgestellt sind.

© Getty Images

Die steigenden Zinsen sind ein Segen für deutsche Lebensversicherer, da sie dadurch das Geld der Anleger zu besseren Konditionen anlegen können. Allerdings verlieren Kapitalanlagen derzeit an Wert, hohe Produktkosten stehen in der Kritik und viele Menschen können inflationsbedingt nicht für das Alter vorsorgen. Dennoch bleibt die Lebensversicherung mit 83 Millionen Verträgen die beliebteste private Altersvorsorge in Deutschland. Eine Studie vom Institut für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen hat nun untersucht, wie die großen Anbieter finanziell aufgestellt sind. 

Die Studie unter Professor Hermann Weinmann beinhaltet ein betriebswirtschaftliches Urteil und eine Verbrauchernote, die die Standhaftigkeit der Versicherer in extremen Zeiten mit einbezieht. Von den zwölf untersuchten Versicherern erhalten vier die Noten “sehr gut” bis “gut”, drei sind mit “befriedigend”, vier mit “ausreichend” bewertet und einer schafft es auf “knapp ausreichend”. In der betriebswirtschaftlichen Bewertung schafft es die Allianz Leben mit 750 von 1000 Punkten auf den ersten Platz. Der Versicherer zeichnet sich durch niedrige Betriebskosten und hohe Bewertungsreserven aus. 

Auch Axa Leben hat betriebswirtschaftlich die Note “sehr gut” erhalten. Das Unternehmen überzeugt durch seine starke Ertragskraft. Allerdings beteiligt Allianz Leben seine Kunden in größerem Umfang an Überschüssen und am Gesamtertrag und verdient damit die Verbrauchernote “sehr gut”. Axa Leben bekommt lediglich die Note “gut”. Der Versicherer kündigte an, 900.000 Policen an die externe Abwicklungsgesellschaft Athora abzugeben. Dieser Vorgang wird Run-off genannt. 

Auch Zuricher Deutscher Herold (500 Punkte, Verbrauchernote “ausreichend”) vollzieht derzeit ein Run-off und gibt 720.000 von rund drei Millionen Policen an den Abwickler Viridium ab. Das geht mit einer Gewinnabführung einher, die sich im letzten Jahr vervierfacht hat. Versicherte seien nur noch zu 62,2% am Überschuss beteiligt worden. Diese zurückgehenden Beteiligungen sind typisch für Run-offs. Ein Zurich-Sprecher bestreitet einen Zusammenhang mit dem Bestandsverkauf. Auch Axa bestreitet solche Zusammenhänge. 

Indes beteiligte Generali Deutschland die Versicherten mit 95,% am Rohüberschuss und erreichte damit einen Spitzenwert in der Branche. Bei der Württembergischen Leben liegt die Quote bei 94% und bei R+V Leben und Nürnberger Leben bei 90%. Beide gelten laut der Studie als betriebswirtschaftlich “stark”. Beide erreichen die Verbrauchernote “gut”.

Fünf weitere Versicherer gelten betriebswirtschaftlich als “eingeschränkt stark”. Am besten schneiden dabei die Alte Leipziger Leben und Debeka Leben ab. Beide erreichen die Note “befriedigend”. Erstere schneidet aber unwesentlich besser ab. 

Die R+V Leben bleibt zwar betriebswirtschaftlich hinter Zuricher Deutscher Herold (“ausreichend”, 3,7)  und Cosmos Leben (ebenfalls 3,7) zurück, erreicht aber die bessere Verbrauchernote “befriedigend”.

Als betriebswirtschaftlich “relativ schwach” gelten die Bayern-Versicherung und SV Leben, die gemeinsam mit R+V Leben die schwächste Ertragskraft aufweisen. Hinsichtlich der Verbraucherinteressen erreichen beide die Note “ausreichend”. 

Generali Deutschland Leben gilt als wirtschaftlich “schwacher” Versicherer mit der Verbrauchernote "knapp ausreichend”. Gründe sind die sinkende Ertragskraft und die hohe Betriebskostenquote von 16,7%. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, dass sich die Studie auf Werte stütze, die für den Konzern kein besonders hohes Gewicht hätten, da es sich hauptsächlich auf Fondspolicen und biometrische Produkte fokussiere. 

Aufgrund des Zinsanstieges erreichen alle Lebensversicherer mittlerweile Solvenzquoten über 100,  wie Bafin-Aufseher Frank Grund jüngst feststellte. Läge eine Firma unter 100%, würde sie als anfällig gelten und die Aufmerksamkeit der Bafin erregen. Durch den Zinsanstieg können einige Anbieter damit beginnen, die Zinszusatzreserve aufzulösen, die in Niedrigzins Zeiten angelegt wurde. Dies könnte in den Bilanzen für 2022 sichtbar werden. Weimann hält allerdings auch Abschreibungen auf niedrig verzinste Anleihen nicht für ausgeschlossen. 

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