Zum Inhalt springen
MarketWorld
MarketWorld
DAX
WKN 846900

So schützen Sie Ihr Depot im Urlaub

Mit ein paar gezielten Anpassungen lassen sich Kurschancen erhöhen und Risiken minimieren.

Ein dauerhaft krisensicheres Depot bietet den besten Schutz vor unliebsamen Überraschungen. Der Dax steht mit über 18.100 Punkten nur vier Prozent unter seinem Allzeithoch. Ist jetzt, zu Beginn der Sommermonate, ein guter Zeitpunkt, um Gewinne mitzunehmen, bevor die Kurse möglicherweise fallen? Das wäre nicht ungewöhnlich, denn Mai bis August zählen oft zu den schwächeren Börsenmonaten.

Zudem gibt es viele Risiken: die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die stagnierende Wirtschaft in Europa und eine hartnäckig hohe Inflation über der Zwei-Prozent-Marke. Der Dax, der seit Jahresbeginn um acht Prozent und 2023 um 20 Prozent gestiegen ist, könnte Rückschläge erleben. Auch die anstehenden Wahlen in Frankreich im Juli bringen Unsicherheit: Ein Sieg der Rechtspopulisten um Marine Le Pen könnte den Reformkurs Frankreichs in einer ohnehin angespannten Haushaltslage erschweren und Sorgen über eine neue Schuldenkrise auslösen. Diese Unsicherheiten erhöhen die Risiken für ein aktienbasiertes Depot, das während einer längeren Urlaubsreise unbeobachtet bleibt. Ein krisenfestes Depot mit Schutzmechanismen gegen Börsenkorrekturen oder gar einen Crash ist gefragt.

Im Folgenden wird erläutert, wie Sie Ihr Depot kritisch überprüfen und gegebenenfalls anpassen können, um maximale Chancen bei minimalem Risiko zu gewährleisten. Diese Punkte sollten drei verschiedene Anlegertypen beachten:

Der Langfristanleger: Nur das Beste im Depot behalten

Franz-Josef Leven, der seit über 35 Jahren beim Deutschen Aktieninstitut tätig ist, hat die vielen Höhen und Tiefen der Börse erlebt: starke Kursanstiege, allmähliche Rückgänge und heftige Einbrüche. “Ich habe ein breit gestreutes Aktienportfolio und halte dieses über Jahrzehnte.“ Nach eigener Aussage schaut er nur alle paar Wochen oder Monate in sein Depot und hält stets einen gewissen Betrag an schnell verfügbarem Geld für unvorhergesehene Notfälle bereit. „Wer so verfährt, braucht sich vor dem Urlaub keine Gedanken zu machen“, meint Leven. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man auf eine regelmäßige Überprüfung der Depotpositionen verzichten sollte. Aktien, bei denen Zweifel an der zukünftigen Kursentwicklung bestehen, können abgestoßen werden. Dies entspricht der allgemeinen Regel: 

Nur Aktien, die derzeit kaufenswert erscheinen, sollten im Depot bleiben.

Eine solche kritische Auswahl hat einen positiven Nebeneffekt: Mögliche Verkäufe erhöhen die Cashquote, was angesichts des aktuellen Dax-Niveaus und hoher Börsenkurse an der US-Leitbörse sinnvoll erscheint.

Der Anteil des Bargelds sollte in einem konservativ ausgerichteten Depot deutlich über zehn Prozent liegen. Es gibt kaum etwas Besseres, als sich über fallende Kurse in einer Korrektur zu freuen, weil Aktien günstiger werden, die man schon immer kaufen wollte, die aber bisher zu teuer waren. Selbst ein gut diversifiziertes Depot ist nicht vor erheblichen Verlusten einer Einzelaktie geschützt. “Bayer” hat innerhalb eines Jahres fast die Hälfte seines Wertes verloren. Wer auf den neuen Vorstandschef Bill Anderson und ein Comeback der Aktie des Pharma- und Saatgutherstellers gesetzt hat, wurde bisher enttäuscht.

Ein breit gestreutes Depot kann solche Verluste abfedern, vorausgesetzt, eine weitere bewährte Regel wird beachtet: Keine Position sollte mehr als zehn Prozent des Gesamtkapitals ausmachen. Dies gilt auch dann, wenn eine Aktie als absolut sicher und zukunftsträchtig erscheint. Kein noch so großer Erfolg in der Vergangenheit garantiert zukünftige Erfolge.

Der Daytrader: Ein Grundprinzip für ruhige Nächte

„Daytrader“ sind Anleger, die täglich aktiv handeln. Sie zielen auf schnelle Gewinne ab und nutzen dafür die Kursschwankungen innerhalb eines Tages, oft ausgelöst durch aktuelle Nachrichten im Sekundentakt. Für diese Anleger gilt eine einfache Empfehlung: Vor dem Urlaub sollten alle Positionen verkauft werden – ein Vorgang, den die Profis „glattstellen“ nennen. Das mag radikal erscheinen, ist jedoch keineswegs ungewöhnlich: Professionelle Daytrader handeln ohnehin jeden Tag nach diesem Prinzip und sichern sich so jede Nacht ein stressfreies „Urlaubsdepot“. Nach dem Urlaub werden zunächst der Gesamtmarkt, das Umfeld und die Börse analysiert, bevor der Daytrader wieder aktiv wird.

Der aktive Anleger: Gewinne sichern nicht vergessen

Eine Mischung aus Langfristanleger und Daytrader sind die stets aktiven Anleger. Aktionäre also, die aus Interesse die Finanzmärkte nahezu täglich kritisch beobachten. Diese Anleger sind nicht ständig aktiv im Markt, verfolgen das Geschehen aber auch nicht wochenlang passiv. Sie interessieren sich für Unternehmensereignisse und suchen nach günstigen Kauf- und Verkaufszeitpunkten, was ihren Anlagestil riskanter macht.

Aktuell ist ein guter Zeitpunkt, das eigene Depot zu überprüfen“, sagt Andreas Limoser von der unabhängigen Anlageberatung “VZ Vermögenszentrum”. Er empfiehlt, sich zu fragen: „Welche Aktien haben, trotz positivem Marktumfeld, enttäuscht? Hier könnte ein Verkauf sinnvoll sein.“ Bei Aktien, die stark gestiegen sind, könnte es sinnvoll sein, Gewinne zu realisieren, etwa durch Teilverkäufe. Mit dem Erlös könnten beispielsweise Anleihen erworben werden, die derzeit wieder relativ attraktiv verzinst sind und eine interessante Ergänzung für das Depot darstellen. Lange Zeit gab es kaum Zinsen für Anleihen seriöser Staaten und Unternehmen, inzwischen bieten sie Renditen von drei bis vier Prozent.

Absicherungsstrategie 1: Risikoabsicherung mit Hebelprodukten

Wenn Sie Ihre Aktien aufgrund ihrer aktuellen Attraktivität behalten möchten, aber gleichzeitig das Depot gegen größere Verluste bei einem Börsenrückgang absichern wollen, sollten Sie über den Erwerb von Put-Optionsscheinen nachdenken. Eine ähnliche Absicherung bieten Short-Zertifikate. Diese Produkte ermöglichen es Anlegern, durch den Hebeleffekt überproportional von fallenden Märkten zu profitieren und somit Verluste im übrigen Depot auszugleichen. Es gibt jedoch einige Fallstricke. Bei Optionsscheinen sind die Zeitwertverluste erheblich: Je näher das Ablaufdatum rückt, desto mehr sinkt der Wert des Scheins. Dies kann nur ausgeglichen werden, wenn sich der Markt entsprechend entwickelt – bei Put-Optionsscheinen durch sinkende Kurse und bei Call-Scheinen durch steigende Kurse. Bei Short-Zertifikaten besteht das Risiko eines Totalverlusts, sobald bestimmte Kursschwellen erreicht werden, etwa wenn der Dax steigt anstatt fällt. Diese Produkte sind daher eher für erfahrene Anleger geeignet. Der Nutzen solcher „Depotversicherungen“ ist umstritten: Im besten Fall gleichen sie Verluste im Gesamtdepot aus, führen aber oft zu einem nervenaufreibenden Nullsummenspiel.

Dennoch gibt es auch positive Aspekte bei diesen spekulativen Strategien: Im besten Fall können Anleger ihre Put-Optionsscheine oder Short-Zertifikate während eines Crashs mit hohem Gewinn verkaufen und gleichzeitig ihre Verluste in Einzelaktien aussitzen, die sich später erholen und Gewinne erzielen. Eine potenziell vorteilhafte Strategie.

Absicherungsstrategie 2: Klug gesetzte Stop-Loss-Orders

Eine andere Strategie zur Absicherung im Depot ist das Setzen von Stop-Loss-Orders für riskantere Aktien. Diese Methode schützt durch eine von der Depotbank festgelegte Verlustbegrenzung. Nehmen wir an, eine Aktie wurde ursprünglich für 80 Euro gekauft und ist nun auf 200 Euro gestiegen. Eine Stop-Loss-Order könnte bei 160 Euro gesetzt werden, sodass die Aktie automatisch verkauft wird, falls der Kurs diesen Wert unterschreitet. Wichtig ist, dass die Stop-Loss-Marken nicht zu eng gesetzt werden, um zu verhindern, dass die Aktien bei kleinen Kursschwankungen unnötig verkauft werden. Andererseits sollten die Marken nicht zu weit unter dem aktuellen Kurs liegen, um die erzielten Gewinne nicht zu verlieren. Experten empfehlen, Stop-Loss-Orders 10 bis 25 Prozent unter dem aktuellen Kurs anzusetzen. Viele Banken bieten die Möglichkeit, diese Marken automatisch nach oben anzupassen, wenn der Aktienkurs steigt, wodurch der festgelegte prozentuale Abstand beibehalten wird.

Diese Strategie hat jedoch auch ihre Tücken. Wer vor dem russischen Angriffskrieg im Frühjahr 2022 seine Positionen mit Stop-Loss-Orders abgesichert hatte, musste möglicherweise fast alle Aktien verkaufen, da die Verluste mehr als 20 Prozent betrugen. Der Dax fiel innerhalb von neun Monaten um 25 Prozent.

Die meisten Aktien erholten sich danach jedoch stark und erreichten neue Höchststände. Anleger, die ihre Aktien durch Stop-Loss-Orders verkauft hatten, profitierten nicht von dieser Erholung, es sei denn, sie stiegen schnell wieder ein. Das bedeutet, dass diese Strategie bei V-förmigen Börsenphasen, in denen die Kurse stark fallen und sich anschließend schnell und kräftig erholen, nicht funktioniert. Sinnvoller ist diese Vorgehensweise in Zeiten eines starken und lang anhaltenden Börsenrückgangs. Vor über zwanzig Jahren, zwischen 2000 und 2003, verlor der Dax innerhalb von drei Jahren 75 Prozent seines Wertes. In solchen Fällen wäre es besser gewesen, Aktien zu verkaufen, bevor sie langfristig weiter fielen.

Allerdings bleibt auch dann die Herausforderung, den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg zu finden. Auf lange Sicht machen nur wenige Tage den Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer herausragenden Depotentwicklung aus.

Ein Anleger, der vor 20 Jahren in den Welt-Aktienindex “MSCI World” investierte und auch in schwierigen Börsenphasen investiert blieb, erzielte eine jährliche Wertsteigerung von 7,9 Prozent. „Wenn er allerdings in diesem Zeitraum nur die zehn Tage mit den höchsten Tagesgewinnen verpasst hatte, schrumpfte seine Rendite schon auf 6,8 Prozent jährlich“, erklärt Jan Viebig, Investmentchef der Privatbank “Oddo BHF”. Dies basiert auf den Daten von April 2004 bis April 2024. Verpasste der Anleger in diesem Zeitraum die 40 besten Tage von insgesamt 5220 Handelstagen, sank seine Rendite auf nur 3,5 Prozent jährlich. Wenige Tage können also einen erheblichen Unterschied machen.

Beliebte Artikel

A0B733

Rohstoffe

Energieträger Wasserstoff

Stehen die nachhaltigen Brennstoffzellen vor einem Börsen-Boom? Warum führende Unternehmen kurz vor einer Renaissance stehen könnten.

Allgemeiner Risikohinweis

Die Daten, Mitteilungen und sonstigen Angaben, die auf dem Portal zu finden sind, dienen ausschließlich Informationszwecken. Alle Informationen und Daten stammen aus Quellen, die zum Zeitpunkt ihrer Erstellung nach presserechtlichen Gesichtspunkten als zuverlässig wahrgenommen wurden. Für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird keinerlei Haftung oder Garantie übernommen.

Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die auf Market World angebotenen Informationen und Nachrichten sind zu keinem Zeitpunkt als auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatungen anzusehen. Die maßgeblichen Informationen können bei den herausgebenden Emittenten angefordert werden. Eine Haftung für Schäden aufgrund von Handlungen, die ausgehend von den auf dieser oder einer der nachfolgenden Seiten enthaltenen Informationen vorgenommen werden, entfällt.

MarketWorld
© 2024 Market World - Alle Rechte vorbehalten 3.1.4
ImpressumDatenschutz