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Allianz
WKN 840400

Allianz Global Investors vor Aus in den USA

Nach dem Schuldeingeständnis in einem Betrugsfall und dem Entzug der US-Lizenz stellt sich die Frage nach der Zukunft der Vermögensverwaltungstochter der Münchner Allianz.

© Getty Images

Die US-Tochtergesellschaft des Münchner Versicherungsunternehmens Allianz (WKN: 840400 ; ISIN: DE0008404005), Allianz Global Investors (AGI), ist in der Krise. Nachdem die AGI sich mit riskanten Hedgefonds-Strategien verzockte und drei Fondsmanager Profianleger betrogen haben, gab das Unternehmen infolge von Ermittlungen durch US-Behörden ein Schuldeingeständnis ab, das den Versicherer rund sechs Milliarden Euro kostet. 

Das Mutterunternehmen hatte diese Summe bereits eingeplant, schwerwiegender ist der Imageschaden für die Allianz. Es stellt sich die Frage, ob operative Risiken in den USA ausreichend bedacht wurden. Ungeklärt ist auch die Zukunft der AGI. Das Unternehmen befindet sich seit zwei Jahren in einem, sich nun beschleunigenden, Umstrukturierungsprozess, der womöglich mit einer Übernahme durch die Konkurrenz enden könnte. 

Gemäß einer Vereinbarung mit dem US-Justizministerium werden Vermögenswerte in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar an die Investmentgesellschaft Voya Investment Management übertragen und der AGI auf zehn Jahre die US-Lizenz entzogen. Das kommt einem Verbot in den USA gleich. Der AGI fehlt damit ein Sechstel der verwalteten Gesamtsumme in Höhe von 640 Milliarden EUR. 

In Branchenkreisen wird die mögliche Übernahme der AGI durch die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS (WKN: DWS100 ; ISIN: DE000DWS1007) erörtert. Man geht von einer Kaufbereitschaft aus, auch wenn sich weder DWS noch AGI dazu äußern. DWS-Chef Asoka Wöhrmann hält jedoch stets nach neuen Übernahmekandidaten Ausschau.

Aufgrund eines starken Geschäftes mit institutionellen Kunden wäre die AGI dafür qualifiziert. DIe DWS gilt mit einem gemanagten Vermögen von 902 Milliarden EUR als größter deutscher Anbieter im Privatkundengeschäft. Eine Verschmelzung mit dem zweiten Vermögensverwalter der Allianz, dem amerikanischen Anleihehaus Pimco, hält die Branche indes für unwahrscheinlich.  

Schon vor der Corona-Pandemie stand die Allianz der Unternehmensführung der AGI skeptisch gegenüber. Konzernchef Oliver Bäte gab die Anweisung rund 40% der 450 Investmentstrategien abzubauen.

Der Ende 2019 eingesetzte AGI-Chef Tobias Pross folgte diesem Auftrag und schaffte es bis Februar diesen Jahres rund 140 Strategien zu beseitigen. International wurden 300 von 3000 Stellen abgebaut und die AGI fokussiert sich zunehmend auf die Segmente Private Markets und auf die Beratung institutioneller Anleger in Fragen der Vermögensstrukturierung, des Risikomanagements und von Nachhaltigkeit.

Die amerikanischen Mitarbeiter siedeln zu Voja um und führen dort die bestehenden Geschäfte fort. Damit verliert AGI zwar die Einnahmen aus den Managmentgebühren, betreut aber weiter die in Luxemburg aufgelegten Fonds sowie die Mandate aus Asien und Europa. Für Kunden solle sich folglich nichts ändern.

Die jüngsten Ereignisse haben sich bisher nicht im operativen geschäft niedergeschlagen. Allein die Auswirkungen des Reputationsverlustes stehen noch aus, diese werden aber nicht als allzu dramatisch eingestuft. Bisher stiegen sogar die Zuflüsse von Kundengeldern um fünf Prozent und gemeinsam mit Pimco konnte der operative Gewinn im letzten Jahr um elf Prozent gesteigert werden. 

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