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Leitzinserhöhung der EZB

Warum die Inflationsbekämpfung zu spät gekommen ist.

Die Europäische Zentralbank hat wie zu erwarten mit der Fed gleichgezogen und den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Wirtschaftsexperten und Ökonomen begrüßen diesen wichtigen Schritt, kritisieren jedoch den Zeitpunkt. 

Historischer Zinsschritt

Am vergangenen Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im EU-Raum so stark angehoben wie noch nie zuvor. Mit weiteren 0,75 Prozentpunkten steigt der Leitzins nun auf 1,25 Prozent. Banken erhalten nun für ihre Einlagen bei der EZB 0,75 Prozent. Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, erklärte den Beschluss mit der Inflation, die im August zuletzt bei 9,1 Prozent lag. Trotz dieser hohen Prozentzahl war der Zinsschritt im EZB-Rat durchaus umstritten: “Wir hatten unterschiedliche Ansichten am Tisch, eine gründliche Diskussion, aber das Ergebnis unserer Diskussionen war eine einstimmige Entscheidung“, sagte Lagarde.

Leitzinserhöhung und Inflation

Preisstabilität ist das höchste Ziel der Leitzinserhöhung. Angebot und Nachfrage müssen so angepasst werden, dass die Inflation zurückgeht. Allerdings droht im Zuge dessen eine Rezession, da ein erhöhter Leitzins Kredite verteuert und die Nachfrage schmälert. Ein ambivalenter Balanceakt, da sowohl die Inflationsrate als auch das Wirtschaftswachstum sinken können.

Wissenswertes

Die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) sind die beiden größten Zentralbanken der Welt. Die durchgeführte Geldpolitik beider Banken betrifft fast 700 Millionen Menschen. Zudem stellen sowohl der US-Dollar als auch der Euro einen eminenten Referenzwert dar. 

Sowohl die EZB als auch die Fed haben die Aufgabe, eine konstante Preissteigerungsrate zu halten. Das wichtigste Instrument zur Einflussnahme auf die Preissteigerungsrate ist der Leitzins. Darüber lassen sich unter anderem die Kreditzinsen und Refinanzierungskosten lenken. Der Aufgabenbereich der Europäischen Zentralbank beschränkt sich auf die Preisstabilität. Die FED ist neben der Geldpolitik auch der Vollbeschäftigung verpflichtet. Die Notenbanker in den USA sprechen bei einer Arbeitslosenquote zwischen 5,2 und 6,0 Prozent von Vollbeschäftigung. Im Gegensatz zur EZB ist die Fed keine staatliche Institution und wurde zur Verhinderung von Finanzkrisen ins Leben gerufen. 

Falsche Kriseneinschätzung: “Wir haben Fehler gemacht”, räumte Lagarde ein. “Ich übernehme die Verantwortung dafür, weil ich diese Institution leite”, fügte die EZB-Präsidentin hinzu. So betont sie, dass fast alle die Entwicklung anfänglich unterschätzt hätten. Außerdem sei es schwierig gewesen, die Auswirkungen von Krisen wie Covid oder Russlands Krieg gegen die Ukraine richtig einzuschätzen. 

Leitzinserhöhung verschafft der EZB eine Atempause

Altaf Kassam, Investmentstratege bei Global Advisors, erklärt: “Wir gehen davon aus, dass die EZB ihr Tempo bei den Zinserhöhungen verlangsamen und im Oktober weitere 50 Basispunkte und im Dezember 25 Basispunkte anheben wird.“ Kassam interpretiert die “Supererhöhung” als eine notwendige geldpolitische Straffung, die der EZB eine Atempause verschaffen dürfte. 

Fazit

Zahlreiche Wirtschaftswissenschaftler begrüßen den Zinsschritt der EZB, jedoch unter dem Vorbehalt, dass dieser zu spät gekommen sei. “Besser spät als nie”, kommentierte Clemens Fuest, Chef des Ifo-Instituts. Ulrich Kater, Chefökonom der Dekabank, meinte: „Nach ihrem Spätstart nimmt die EZB Fahrt auf.  Die EZB hat mittlerweile Angst, dass ihr die Felle davonschwimmen und sie in ein jahrelanges Inflationsproblem hineinläuft.“ Es wird sich zeigen, inwieweit der Zinsschritt die Inflationssorgen eindämmen kann oder ob die europäische Wirtschaft in eine noch tiefere Rezession fallen wird. 

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