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Deutsche Unternehmen unter Druck

Chinesische Automobilindustrie auf der Überholspur

Die Münchner Innenstadt wird von Dienstag an zur Erlebnisfläche - Open-Air-Konzerte, Rad-Teststrecken oder Probefahrten mit neuen Automodellen. Die IAA erwartet dieses Jahr rund 700.000 Besucher, neben Protestgruppen und Organisationen wie Greenpeace auch Fachpublikum. Hinter den Kulissen spielt sich unterdes ein Machtkampf der Automobilhersteller ab. Über viele Jahre waren die deutschen Hersteller erfolgsverwöhnt. Nun geraten sie unter massiven Druck. 

Wachsende Konkurrenz für den deutschen Markt:

Drei Dutzend chinesische Hersteller präsentieren auf der IAA ihre Neuheiten. “Die IAA in München ist ein bisschen Initialzündung für chinesische Anbieter”, erklärt Jürgen Pieper, Autoexperte vom Bankhaus Metzler. Weiter führt er aus: “Wir werden die nächsten zwei, drei Jahre in gewisser Weise überrollt werden von vielen chinesischen Produkten”.

Seit Jahren wächst der Druck aus den USA. Tesla konnte mit seiner hohen Nachfrage und den Gigafactorys einen wichtigen Teil des Marktes für sich beanspruchen. Nun sind es Unternehmen aus der Volksrepublik, die führenden Marken wie Mercedes-Benz, BMW, Audi oder Volkswagen den Markt streitig machen könnten. 

Wissenswertes:

In China sind Elektroantriebe gefragter denn je: Eine Studie ergab, dass jedes zweite Auto mit einem elektrischen Antrieb auf Chinas Straßen unterwegs ist. Laut einer Analyse des Stuttgarter Forschungsinstitutes ZSW kletterte der dortige Bestand bis zum Jahreswechsel auf 14,6 Millionen Fahrzeuge. Das sind 53 Prozent der laut ZSW weltweit 27,7 Millionen Elektroautos und Hybride. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es lediglich 1,9 Millionen E-Autos. 

Die Vorteile der chinesischen Hersteller:

Elektromobilität ist in Deutschland keine günstige Angelegenheit. Ob Batteriezellen, Halbleiter oder Lieferwege - alles, was ein Auto teuer macht, stammt aus der Volksrepublik. Zudem erschweren hohe Energiekosten, eine schwächelnde Konjunktur und mangelnde Nachfrage eine kostengünstige Produktion. Infolgedessen können chinesische Unternehmen immense Kosten sparen, da ein Großteil an Technologie aus dem eigenen Land stammt. Auch geringere Löhne senken die Kosten in dem fernöstlichen Land. 

Auch bei dem Thema Innovation und Qualität sind chinesische Automobilhersteller auf dem Vormarsch. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, erklärt: “Die chinesischen Automobilhersteller sind mittlerweile auch in puncto Innovation und Qualität mindestens auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern aus Deutschland und den USA.”

Einen anderen Standpunkt vertritt Accenture-Experte Kupferschmidt: “Der Unterschied zwischen einem chinesisch produzierten E-Auto und einem deutschen liegt bei durchschnittlich 20.000 Euro im Gesamtpreis”, so der Fachmann zwar Kostenvorteile der Chinesen ein. “Aber in Deutschland werden die chinesischen Hersteller auch höhere Preise als in China verlangen. Der Preisunterschied wird nicht gigantisch sein.”

Diese Autobauer werden erwartet: 

Unter anderem werden die chinesischen Autobauer BYD, SAIC, Hongqi, Leapmotor und Xiaopeng Motors ausstellen. Besonders der Auftritt von BYD wird dabei mit Spannung erwartet: Der Marktführer aus Shenzhen will in dieser Woche direkt sechs Elektrofahrzeuge vorstellen, darunter auch seine Großraumlimousine Denza D9, ein Fahrzeug aus dem Premiumsegment. 

Ebenfalls im Premium-Segment vertreten ist die SAIC-Gruppe mit dem ersten vollelektrischen Zweisitzer überhaupt. Der MG Cyberster dürfte für Aufmerksamkeit sorgen. Bislang galten deutsche Marken in der höheren Preis-Sparte als Big-Player, dies könnte sich in Zukunft ändern. „Bislang war es vor allem das Volumensegment, das einem aus deutscher Sicht Sorge bereitete“, sagt Experte Bratzel. Es gebe „immer mehr Player aus China, die auch im Premiumsegment stark werden wollen“, sagt Bratzel. „Und es werden weiterhin neue Marken gegründet.“

BYD im Faktencheck:

Die BYD Company Limited (ISIN: CNE100000296 ; WKN: A0M4W9) ist auf die Herstellung von Autos spezialisiert. Ebenfalls werden auch wiederaufladbare Batterien und Komponenten für Mobiltelefone entwickelt. Die Umsatzerlöse gliedern sich nach Produktfamilien und Dienstleistungen wie folgt: Rund 53 Prozent fließen in das Automobilsegment, rund 39 Prozent in die Produktion von Komponenten für Mobiltelefone (Gehäuse, Tastatur, Ladegeräte etc.) und rund 8 Prozent in wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien und Nickelbatterien. 

Seit Beginn des Jahres konnten die Aktien des Unternehmens einen Anstieg von 28,50 Prozent auf 30,18 Euro verzeichnen. Allein in den vergangenen fünf Tagen stiegen die Wertpapiere um 7,44 Prozent. Seit dem Frühjahr 2020 konnte das Unternehmen eine starke Aufwärtsbewegung beobachten. Bis dahin wurden die Anteilsscheine für maximal 8 Euro gehandelt. Binnen weniger Monate haben sich die Wertpapiere verdreifacht. Das All-Time-High wurde am 08. Juli 2022 mit einem Wert von 40,60 Euro erreicht. 

Fazit

Die deutsche Automobilindustrie sieht sich mit wachsender Konkurrenz aus China konfrontiert, insbesondere im Bereich der Elektromobilität. Chinesische Hersteller sind durch die Präsentation neuer Modelle auf dem Weg, den deutschen Markt zu erobern. China hat einen starken Elektroauto-Trend, was Kostenersparnisse und Innovationspotenzial für chinesische Unternehmen bedeutet. Sie dringen nicht nur ins Volumen-, sondern auch ins Premiumsegment vor, was deutsche Hersteller vor neue Herausforderungen stellt.

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