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Die Milliardenverluste deutscher Unternehmen in Russland

Der Rückzug aus Russland kostet deutsche Unternehmen viel Geld. Warum dies auch in Zukunft so bleibt und was die Situation heute vom Krimkrieg 2015 unterscheidet.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben deutsche Unternehmen rund 10 Milliarden EUR in Verbindung mit ihrem Russlandgeschäft abgeschrieben. Darunter fallen Sachanlagen, Verbindlichkeiten, Wertpapiere und anderweitige Forderungen, die nun aus den Bilanzen gestrichen werden.

Erst jüngst hat Uniper (WKN UNSE01 ; ISIN DE000UNSE018) diese Streichungen zu spüren bekommen, als dem Konzern aufgrund gedrosselter Gaslieferungen Verluste in Höhe von zwei Milliarden EUR entstanden sind. Das Unternehmen wird nun vom deutschen Staat gerettet. Auch andere große Unternehmen wie BASF (WKN BASF11 ; ISIN DE000BASF111) müssen zukünftig in ihren Bilanzen das Russland-Risiko einkalkulieren. Im Falle von Mercedes (WKN 710000 ; ISIN DE0007100000 ) sind derzeit rund zwei Milliarden EUR in russischen Tochterunternehmen in Gefahr, die gleichzeitig Verbindlichkeiten in Höhe von einer Milliarde EUR bei diversen Kreditinstituten haben. Das Gasunternehmen Linde-Praxair (WKN A2DSYC ; ISIN IE00BZ12WP82) hat inzwischen 901 Millionen US-Dollar in Russland abgeschrieben. In den kommenden Quartalen drohen weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe. Und auch bei Siemens (WKN 723610 ; ISIN DE0007236101) rechnet man mit weiteren Verlusten im Zusammenhang mit dem Rückzug aus Russland. Derzeit hat dieser Rückzug rund 1,1 Milliarden EUR gekostet. 

Lange Jahre konnten diese Unternehmen in Russland gute Geschäfte machen. Bereits 2015, nach der Besetzung der Krim, meldete Russland einen Rekord von 201 Investitionen aus dem Ausland. Die meisten Investoren stammten in dieser Zeit aus Deutschland. Insgesamt tätigten 36 Unternehmen aus der Bundesrepublik in Russland Investitionen. Dabei wurde vor allem in örtliche Produktionsstätten investiert, die sowohl die Sanktionen umgehen konnten, als auch einen Wettbewerbsvorteil auf dem russischen Binnenmarkt hatten. Allerdings wurde damals die Krim-Annexion nicht als Angriffskrieg gewertet, weswegen die Situation nicht mit der heutigen vergleichbar ist.

Heute bleibt den Unternehmen, die sich aus Russland zurückziehen, ihre Produktionsstätten vor Ort deutlich unter Marktpreis an lokale Unternehmer zu verkaufen. Vor allem seitens der Bilanzregeln nach dem Standard IFRS müssen börsennotierte Unternehmen das Russlandgeschäft schnell abschreiben. Der Versicherer Munich RE (WKN 843002 ; ISIN DE0008430026) musste 715 Millionen EUR abschreiben, die Allianz (WKN 840400 ; ISIN DE0008404005) 600 Millionen EUR. 

Am deutlichsten ist derzeit BASF getroffen. Die Öl- und Gastochter Dea verlor 1,1 Milliarden EUR und aufgrund der Abhängigkeit der Ludwigshafener von russischem Gas drohen weitere Milliardenverluste was Gewinn und Umsatz anbelangt. Dennoch hat BASF zuletzt die Jahresprognose angehoben.

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