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Münchener Rueck
WKN 843002

Munich RE im Höhenflug

Wie sich die Umstellung auf neue Bilanzierungsstandards für den Konzern und für Anleger lohnen könnte.

Aktionäre der Munich Re (WKN: 843002 ; ISIN: DE0008430026) werden sich auf Veränderungen einstellen müssen. Der weltgrößte Eigenversicherer erwartet durch die Umstellung auf den neuen internationalen Bilanzierungsstandard “IFRS 17” höhere Gewinne und eine höhere Eigenkapitalrendite. Der Umsatz, der die bisher ausgewiesenen Bruttoprämien ersetzt, wird voraussichtlich aber niedriger ausfallen. Finanzvorstand Christoph Jurecka erwartet, dass die neuen Standards die Ertragskraft besser abbilden werden. 

Die neuen Standards sind die größte Veränderung der Versicherungsbranche seit Jahrzehnten. Schon seit 20 Jahren wird debattiert, wie der bisher geltende Standard “IFRS 4” transparenter dargestellt werden kann. Alte Schwachstellen sollten durch Einführung von “IFRS 17” beseitigt werden. 

In den letzten fünf Jahren haben rund 700 Mitarbeiter der Munich Re die Umstellung realisiert, über hundert Einheiten weltweit, in denen über 500 Millionen Versicherungsverträge liegen. Kapitalanlagen von 240 Milliarden EUR mussten an die neuen Standards angepasst werden. 

Die neue Prognose, die sich aus der erstmaligen Anwendung von “IFRS 17” ergibt, verspricht einen Rekordgewinn von vier Milliarden EUR, verkündete der DAX-Konzern am Mittwochabend. Dabei handelt es sich um eine Steigerung von 700 Millionen EUR im Vergleich zum laufenden Jahr. Jurecka lässt aber offen, wie viel des zusätzlichen Gewinns aus dem operativen Geschäft oder der Umstellung stammt. Er erwartet, dass die Gewinnsteigerung aus operativen Verbesserungen, wie dem Anstieg der Preise, stammt. Jedoch wird die Schwankungsbreite größer. Nach bisher 14% soll die Eigenkapitalrendite bis ins 2025 bei 14% bis 16% liegen. 

Dabei hängt vieles mit der Veränderten Methodik der neuen Bilanzierung zusammen. Risiken müssen nun hinsichtlich Unsicherheit, Höhe und des Zeitpunktes eingeschätzt werden und Verluste aus Verträgen müssen sofort gebucht werden, während Gewinne über die Laufzeit verteilt werden. Damit werden die Gewinne über die Laufzeit eines Vertrages transparenter. Die zweite große Veränderung ist neben den Auswirkungen auf den Gewinn, die Einführung von Umsatzzahlen. Bisher wurden lediglich die Bruttoprämien ausgewiesen. Die Munich Re erwartet für das laufende Jahr an dieser Stelle 61 Milliarden EUR und im kommenden Jahr 70 Milliarden. Aufgrund der Umstellung steht dort jedoch der Umsatz in Höhe von erwarteten 58 Milliarden EUR. Mit ein Grund ist, dass bei Verträgen mit Erstversicherern Provisionen zurückfließen, während diese bisher in der Bruttoprämie verrechnet wurden. 

Besonders im Bereich Schaden- und Unfallversicherung wirkt sich das auf die Profitabilität aus. Die Schaden-/ Kosten-Quote wird zukünftig bei 86% erwartet. Versicherer handeln nach der Devise: Je niedriger die Quote, desto höher der Profit. Jurecka betont, dass der Konzern jetzt aber nicht zehn Prozent profitabler sei. Mit den bisherigen Standards sei eine solche Zahl undenkbar. 

Die neue Bilanzierung hat auch Auswirkungen auf den traditionell hohen Bestand an Kapitalanlagen der Munich Re. Nach alter Rechnungsführung beträgt dieser rund 230 Milliarden EUR, nach “IFRS 17” dürfte es sich um 240 Milliarden EUR handeln. Der Hauptgrund ist, dass der Bestand an Wertpapieren, Immobilien, Derivaten und Beteiligungen dann zu aktuellen Marktpreisen bilanziert wird. 

Die Aktie des Konzerns erlebt seit einigen Wochen einen Höhenflug und notierte Ende November erstmals seit 20 Jahren über der Marke von 300 EUR. In den vergangenen Tagen lag die Aktie knapp unter diesem Niveau. Analysten erwarten von der Umstellung weitere positive Auswirkungen. Kamran Hossain von JP Morgan rät zum Übergewichten der Aktie und rechnet mit einem Kursziel von 350 EUR. 

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