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Die gegensätzlichen Trends deutscher Unternehmen

Während einige Unternehmen Rekordgewinne verzeichnen, leiden andere Konzerne deutlich.

Die deutsche Wirtschaft ist derzeit von zwei gegensätzlichen Trends geprägt: Einerseits haben im ersten Halbjahr börsennotierte Unternehmen 26 Mal Gewinn- und Umsatzwarnungen, aufgrund steigender Preise, hoher Energiekosten und steigender Zinsen,  veröffentlicht, darunter etwa Adidas (WKN: A1EWWW ; ISIN: DE000A1EWWW0), Henkel (WKN: 604840 ; ISIN: DE0006048408) oder Covestro (WKN: 606214 ; ISIN: DE0006062144), andererseits haben Unternehmen auch 74 Mal angegeben ihre Gewinn- oder Umsatzziele zu übertreffen, so etwa Mercedes (WKN: 710000 ; ISIN: DE0007100000) und RWE (WKN: 703712 ; ISIN: DE0007037129). EY-Partner Milan Knarse weist darauf hin, dass die derzeitige Situation stark von Unsicherheiten geprägt ist, die Geschäfte oft aber gut laufen.

Auch die Prognosen der Experten divergieren deutlich. Manche sehen eine robuste nachfragegesteuerte Konjunkturentwicklung, währende andere aufgrund von Lieferengpässen, den Energiepreisen und steigender Zinsen eine starke Sorge vor der Zukunft äußern.

Diese unterschiedlichen Erwartungen an die zweite Jahreshälfte spiegelt sich auch in den Firmenprognosen wieder. Die Basf (WKN: BASF11 ; ISIN: DE000BASF111) hat ihre Jahresprognose für Umsatz und Betriebsgewinn angehoben, da gestiegene Preise weitergereicht werden können, sofern die Gasversorgung in Ludwigshafen gesichert ist. Der nach der Basf zweitgrößte deutsche Chemiekonzern Covestro hat indes seine Prognosen gesenkt und rechnet mit vorsteuerlichen Gewinn zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden EUR, statt mit den im Mai veranschlagten 2,5 bis 3 Milliarden EUR. 

Insgesamt verläuft die Geschäftsentwicklung deutscher Unternehmen aber gut. Die 40 Dax-Konzerne kamen im ersten Quartal insgesamt auf einen Gewinn von 52,4 Milliarden EUR vor Steuern und Zinsen und konnten damit den Vorjahresgewinn um 20% steigern. Die Zeit von April bis Juni lässt gleichsam keine Einbrüche erkennen. Die Verbindung aus höheren Preisen und gestiegener Nachfrage beflügelt diese Entwicklung. 

So konnte Mercedes trotz des anhaltenden Chipmangels seine Prognose steigern, da zwar weniger Autos verkauft werden, diese aber für gestiegene Preise die Besitzer wechseln, was den Verkauf wirtschaftlich profitabler gestaltet. Und auch der Industriegasspezialist Linde (WKN: A2DSYC ; ISIN: IE00BZ12WP82) korrigiert seine Erwartungen nach oben. Das Unternehmen profitiert von den steigenden Marktpreisen, die einen positiven Einfluss auf Gewinn und Umsatz haben. Da es weltweit nur vier große Anbieter gibt, garantiert diese oligopole Struktur zuverlässige Einnahmen. Besonders Energiekonzerne profitieren vom Preisanstieg. So hat RWE seine Prognose von 3,6 bis 4 Milliarden EUR auf 5 bis 5,5 Milliarden EUR gesteigert. 

Die deutlichste Anhebung der Prognose vollbringt die Container-Reederei Hapag-Lloyd (WKN: HLAG47 ; ISIN: DE000HLAG475). Statt zunächst veranschlagter 11,7 bis 13,6 Milliarden EUR, rechnet das Unternehmen nun mit einem Gewinn von bis zu 18,3 Milliarden EUR und wäre damit eines der bestverdienensten Unternehmen Deutschlands. Aufgrund der angespannten Situation der weltweiten Logistik ist die Frachtrate im Durchschnitt um 80% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. 

Exportstarke Unternehmen dürften hingegen von den schlechten Prognosen für die Weltwirtschaft leiden. Der IWF hat die Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum nach unten korrigiert. Gerade die USA und Deutschland sind laut IWF besonders stark betroffen. Experten schüren die Sorge vor einer weltweiten Rezession. Viele Unternehmen befürchten eine ähnlich schlechte Situation wie zuletzt im Juli 2020. Problematisch sind vor allem die gestiegenen Gaspreise und die drohende Knappheit desselben. Noch versuchen Unternehmen diese gestiegenen Preise an die Kunden weiterzugeben, was aber nur bei entsprechender Preismacht möglich ist. Laut Markus Wallner von der Commerzbank leiden besonders energieintensive Unternehmen unter den gestiegenen Gaspreisen und müssten mit fünf Prozent Verlust im operativen Ertrag rechnen, wenn der Gaspreis nur um fünf Prozent steigt. 

Auslandsstarke, börsennotierte Unternehmen leiden gleichsam deutlich von der Schwächung der Weltwirtschaft. So auch Fresenius (WKN: 578560 ; ISIN: DE0005785604) und die Dax-Tochter FMC (WKN: 578580 ; ISIN: DE0005785802). Hintergrund sind ein Personalmangel in der US-amerikanischen Dialysesparte und die inflationsbedingten Kostensteigerungen. 

Aufgrund der Inflation ist auch die Verbraucherstimmung tendenziell schlechter. So musste etwa der Elektronikhändler Ceconomy (WKN: 725750 ; ISIN: DE0007257503) seine Jahresprognose von 237 Millionen auf maximal 210 Millionen EUR senken. 

Bei den Sportartikelherstellern Puma (WKN: 696960 ; ISIN: DE0006969603) und Adidas zeigt sich die unterschiedliche Gewinnerwartung ebenfalls deutlich. Puma hob die Gewinnerwartung, während Adidas selbige senkte. Adidas erwirtschaftet ein Fünftel der Umsätze in China und hat dort mit den Corona-Lockdowns zu kämpfen. Der dortige Umsatz wird in diesem Jahr wohl noch zweistellig sinken. Zwar ist Puma ebenfalls in China aktiv, ist aber der Ansicht die dortigen Verluste auf anderen Märkten ausgleichen zu können.

Die letzte Woche von adidas veröffentlichten Quartalszahlen sorgten bei den Anlegern für Enttäuschung und ließen den Kurs einbrechen. Die endgültigen Geschäftszahlen sahen allerdings etwas besser aus und der Markt reagierte zunehmend freundlicher. Adidas konnte im Vergleich zum Vorjahr beim Umsatz einen Zuwachs von währungsbereinigt 4 Prozent auf 5,57 Milliarden Euro vorweisen. Die Bruttomarge reduzierte sich allerdings von 10,7 auf 7,0 Prozent. Das Betriebsergebnis liegt bei 392 Millionen Euro. Gestern legte die Adidas-Aktie in einem insgesamt positiven Marktumfeld um knapp 3 Prozent zu. Konkurrent Puma gehörte gestern sogar mit einem Wertanstieg von 3,03 Prozent zu den etwas besseren Performern. 

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